Montag, 3. März 2014

Mit großen blauen Augen ...

... verkündet, der sich als Präsident der Ukraine verstehende Olexander Turtschinow, dass er - mit meinen Worten gesagt - sich nicht vorstellen könne, warum die Russen der Ukraine Böses wollten. Die ukrainische Regierung hätte den Russen doch überhaupt keine Anlass dafür gegeben.

Ach nein? Mir kommen die Tränen.

Und seine Augen werden dabei immer größer und unschuldiger: Wieso machen die Russen das denn?

Und die westlichen Medien und Politiker greifen dies mit Freuden auf. Tja, der Russ - eben ein Terrorist, ein Extremist, ein Kriegstreiber, eben ein Unmensch, der nicht mit sich reden lässt, den man brechen muss.

Und so reißen auch die westlichen Politiker in schönster Unschuldsmiene ihre Augen auf, die immer blauer werden und ihre Münder triefen vor scheinheiliger Rede. 

Ich weiß nicht wirklich, was nun eigentlich auf der Krim vor sich geht. 

Nur, was soll man von sogenannten Demokraten halten, wenn die, die gewählte Regierung wegputschen und die mit westlichen Politikern erarbeitete Vorgehensweise für Neuwahlen einfach beiseite schieben. 

Ich erinnere mich an Ägypten. Ach, was haben die Medien gewettert, als der gewählte Präsident und Muslimbruder vom Thron gestürzt wurde. Dabei hatten viele gesellschaftlichen Kräfte die Wahl dort sowieso boykottiert. Unsere Tränen galten aber Mursi, der nun gewisslich nicht wünschenwert war. 

Auch ein Janukowitsch war sicherlich nicht wünschenswert, aber er wurde gewählt und von mehr Wählern, als Mursi auf sich vereinigen konnte. 

Ich frage mich, was man von "Demokraten" halten soll, die für die Wiedereinführung der Verfassung von 2004 angeblich kämpfen und als sie die haben, flugs brechen.

Und ich frage mich außerdem, wie ich als Putin reagieren würde, wenn meine Landsleute in der Ukraine zu Menschen 2. Klasse degradiert werden. Dass die sich das nicht gefallen lassen würden, ist logisch. Denn was soll ich als Ukrainer russischer Abstammung von einer Putschistenregierung halten, die mich wüst beschimpft und mir meine Sprache verbietet? Sie haben sicherlich die baltischen Staaten vor Augen.

Ich würde mich fragen, was ich von diesen Nationalisten halten soll, die antirussische Parolen herumbrüllen, Denkmäler (und nicht nur Lenin, was ich ja noch verstehen könnte) umwerfen, Büros der KP verwüsten, Abgeordnete unter Druck setzen, um sie zu einem bestimmten Abstimmungsverhalten zu zwingen, und diesen oder jenen krankenhausreif prügeln oder demütigen, wie an Pfähle fesseln und Schilder um den Hals hängen. Und sicherlich vieles andere mehr, wovon wir hier nichts erfahren.

Der jüdische Oberrabbi von Kiew hat ja nicht zum Spaß seinen Landsleuten ans Herz gelegt, zu flüchten.

Putin - und das kann man drehen und wenden wie man will - hat des Weiteren eine Fürsorgepflicht für seine angemieteten Stützpunkte auf der Krim, für dessen Soldaten und Einrichtungen. Jeder Staat auf der Welt würde ebenso handeln. Ich stelle mir gerade den amerikanischen Stützpunkt in Japan vor oder was wäre, wenn sich die Kubaner gegen Guantanamo wenden würden. Was würde die USA machen? Sicherlich sich NICHT freuen, sondern ihre Liegenschaften schützen.

Und wieso ist an dieser Eskalation Putin nun schuld? Logisch ist das nicht. Schließlich haben sich auf den Maidan westliche Politiker die "Klinke" in die Hand gegeben und gegen den gewählten Präsidenten gehetzt, gegen die Russen und sich mit Nationalisten ebenso gemein gemacht. Keine Aktion ohne Reaktion.

Hier in Deutschland wird man schon vor Gericht gestellt, wenn man seine grundgesetzlichen Rechte wahrnimmt: Friedliche Demonstranten - und wirklich friedliche, nicht mit der Kalaschnikow in der Hand - zusammenknüppelt, sie krankenhausreif schlägt und dann extra noch mit Strafanzeigen überhäuft; einen Jugendpfarrer vor das Gericht bringt, nur weil er gegen Rechtsradikale demonstriert hat und dann mit polizeilichen Lügen überzogen wird. Aber das zählt anscheinend nicht. Das ist anscheinend eine andere Sache, obwohl sich die Bilder gleichen. Mir fällt dazu die Geschichte ein, dass derjenige, der schuldlos ist, den ersten Stein werfen sollte. Okay, wir als uns christlich verstehender Staat haben mit dem Christentum wirklich nichts am Hut außer in Sonntagsreden.

Ich weiß, dass Putin kein lupenreiner Demokrat ist. Geschenkt! Nur sollte man dann auch fragen, wo es wirklich lupenreine Demokraten auf der Welt gibt. Ich sehe nirgendwo welche. Ich sehe überall nur Oligarchen herrschen, egal ob sie deutsch sprechen oder eine andere Sprache. Merkel macht nicht einmal einen Hehl daraus, dass sie keine wirkliche Demokratin ist, denn marktkonforme Demokratie ist nun mal keine Demokratie, sondern eine Form von bürgerlichem Feudalismus.

Wollen wir wirklich wegen ein paar Rechtsradikalen und Menschen, die eine nichtexistierende Demokratie wie im Westen haben wollen und die gleichen Konsumgüter, eine Krieg beginnen? Nur weil der Kalte Krieg gegen Russland - dieses Mal nicht die UdSSR - wieder eröffnet wurde? NATO gegen Russland?

Und was denkt sich eigentlich die Ukraine, wie es wirtschaftlich - nach den wüsten Beschimpfungen gegen Russland - bei ihnen weiter gehen soll? Wollten sie nicht alles besser machen (zumindest rethorisch)? Ohne Russland werden sie wohl nicht aus der Klemme kommen. Wie wollen sie ihre Energieversorgung in den Griff bekommen und sie vor allem bezahlen? Wenn sie wenigstens einmal wirklich mit kühlen Kopf nachdenken würden, sollten sie bemerken, dass sie ihren eigenen nationalistischen Phrasen zum Opfer gefallen sind.


PS: Auch bei neopresse erschienen