Mittwoch, 15. April 2015

Mund offenstehend - sich zurücklehnend - und böse lachend

Zuerst las ich hier: http://frei-blog.blogspot.de/2015/04/volksdialog-frau-merkel-danke-fur-ihr.html vom neueste Merkel-PR-Coup. Ich fragte mich, was will er denn, der VoWu? Nochmals ein paar Fragezeichen ... Dann googelte ich das Thema: Was denn ... Mutti will wissen, wie das wahre Leben in Deutschland ist?

Zuerst Mund auf, dann Mund zu, dann ein Kichern, dann blieb mir das Kichern im Halse stecken. 

PR vom Schlechtesten: "Gut leben in Deutschland - Was uns wichtig ist" 

Gut, Frau Merkel, kommen Sie mal in unser Problem-Stadtviertel. Problematisch als solches ist es nicht. Sie werden nicht von Dieben und Messerstechern überfallen. Das Problem meines Stadtviertels heißt: Armut.

Hier leben vor allem Rentner, Russen, Russlanddeutsche, Kosovo-Albaner, Asiaten aus verschiedenen Ländern, Langzeitarbeitslose, Niedriglöhner, ein paar Orientalen, woher auch immer. Die Russen sind in der Mehrheit eigentlich keine Russen, sondern Moldawier, Ukrainer, Weißrussen usw. usf. Wer weiß das im Einzelnen schon so genau. Ist auch völlig uninteressant. Wir haben Freikirchler, eine evangelische und eine katholische Kirche. Irgendwo ist vielleicht auch eine Moschee eingerichtet, das weiß ich aber nicht. Es gibt die Zeugen Jehovas, die einen bei schönem Wetter fragen, ob man einen Bibelkurs haben möchte. Also, ein buntes Viertel - äußerlich. 

Kommen Sie am besten so ab dem 20. jeden Monats in unser Viertel. Wir haben zwar ein großes Einkaufscenter. Leider gibt es dort immer wieder Ladenpleiten und eine ganze Reihe von Ladenfläche ist nicht mehr zu vermieten. Der Run auf die Geschäfte betrifft außer Lebensmittel vor allem der 1-Euro-Laden, KiK und Woolworth. 

Run. Das ist das Stichwort. Ab dem 20. ist sogar in diesen Billigstläden Ebbe. Kaum jemanden sieht man in diesen Geschäften, höchstens mal Guckkunden,  die nichts kaufen. Ab dem 20. ist auch in den Lebensmittelgeschäften Ruhe. Geld gibt es leider erst am letzten Arbeitstag des Monats. Nicht ohne Grund bietet sogar KiK mit seinen Billigpreisen Ratenverkäufe an.

Besuchen Sie mal die wirklichen Menschen, nicht die Statistiken, Frau Merkel. 

Bei uns im Haus leben Senioren, die mal gerade so um die 250 EUR zum Leben haben, nach Abzug dessen, was nicht vom Staat übernommen wird. 

Bei uns im Haus leben Menschen, ältere, die HartzIV erhalten. Eigentlich sollte doch ein unternehmerische Run auf ältere Menschen hier in Deutschland stattfinden. Deshalb wurde doch die Rente auf 67 hoch gesetzt ... Eigentlich. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Die älteren Menschen leben am Existenzminimum, obwohl sie das ganze Leben gearbeitet haben. Das kann ich als Ostdeutsche von Ostdeutschen mit Fug und Recht behaupten. Es war eben so - bis ins Jahr 1990. Immer mal wieder müssen sie antreten, um Parks zu säubern, irgendwo j.w.d. in der Stadt. Sie müssen im täglichen Leben sparen, sparen, sparen ... Im Bad wird von diesen Menschen bei uns im Haus z.B. ganz selten Licht angemacht, weil Strom eben so sauteuer ist. Sie können sich das nicht leisten. Das ist die Wahrheit und nicht erfunden.

Wenn wir die Nebenkostenabrechnung für unsere Wohnung erhalten, müssen wir immer feststellen, dass wir die reinen Wasserverschwender sein müssen. In der Abrechnung liegt eben auch eine schöne bildliche Statistik bei, wie unser Wasserverbrauch im Vergleich zu anderen ist. Wir verbrauchen aber nicht viel Wasser. Wir sind sparsam. Ich dusche mich zwar jeden Abend, weil ich das eben für meine schmerzenden Glieder brauche. Aber ist das tägliche Duschen nun schon Verschwendung? In unserem Zweipersonenhaushalt fällt auch nicht soviel Wäsche an oder soviel Abwasch. Andere scheinen sich da Einiges zu sparen. Es verwundert, weil es bei uns im Viertel auch viele Familien mit Kindern gibt und trotzdem ist der durchschnittliche Wasserverbrauch von uns sehr viel höher. Aber eigentlich verwundert das beim Blick auf die Nebenkostenrechnung nun nicht wirklich. Die Grundkosten sind gewaltig gestiegen und nicht alles wird über die staatlichen Einrichtungen, wie sie auch alle immer heißen, abgefangen. Niedriglöhner haben da sowieso die A-Karte gezogen.

Von meinem Zimmerfenster aus schaue ich auf die Glascontainer. Tagtäglich wühlen Menschen in diesem Container nach Flaschen, vor allem ältere. 

Vor unserer Haustür steht ein Behältnis, wo wir Hausbewohner unsere alten Zeitungen oder Kataloge ablegen. Ein Ehepaar holt sich dieses Altpapier. Es ist ihre Tour. Und ja, es gibt dabei regelrechte Touren, die in fester Hand sind. 

Frau Merkel, das machen die Menschen in meiner Umgebung nicht aus Jux und Tollerei, sondern aus der Not heraus.

Ich erinnere mich, dass das Bundesverfassungsgericht angemahnt hatte, dass die Hartz-IV-Sätze an die Wirklichkeit angepasst werden müssen. Das wirklichen Kosten berechnet werden sollten. Ihre Regierung hat gerechnet und gerechnet und kam dabei auf einem noch geringeren Wert, den sie mildtätig dann ein bisschen erhöhte. Sie sonnten sich dann in ihrer Mildtätigkeit, die keine war, sondern Menschenverachtung.

Kürzlich habe ich eine Doku gesehen, über Menschen in einer total armen Straße. Ich sah, was die Kinder zum Essen erhielten. Es war eine dünne Suppe mit etwas Einlage. 

Frau Merkel, ich frage Sie, was soll aus den Kindern werden? Minderwertiges Essen wirkt sich auf die körperliche und geistige Entwicklung von Kindern aus. Nur, was machen Sie? Sie erhöhen in zwei (!) Schritten das Kindergeld um lächerliche 6 EUR. Es ist schändlich, was da abläuft.

Wenn Sie wissen wollen, wie das wahre Leben ist, dann lesen Sie bitte mal Ihre Statistiken, die Sie erhalten. Das wäre doch schon mal ein Anfang. Pfeifen Sie ihre Arbeitsministerin zurück, die die Armen dadurch loswerden will, indem sie anregt, die Statistik zu ändern. Es ist beschämend, was hier im eigentlich reichen Deutschland abläuft.

Es sollen Podiumsgespräche veranstaltet werden, mit Lobbygruppen, Gewerkschaften, Verbänden ... Ganz gut und schön. 

Nur erzähltes Leben, ist eben nicht wahres Leben. 

Wahres Leben kann man nicht in einer Podiumsveranstaltung erfahren. Dafür reichten die Statistiken aus, was uns als Steuerzahler auch billiger käme.

Was haben Sie und ihr Vorgänger und jetziger Mittäter aus den Deutschen gemacht? Ein Volk von Duckmäusern, die Angst haben, den Mund aufzumachen, damit sie nicht völlig ins ökonomische Abseits geraten. Die sich durch Jobcenter zu minderwertigen Bürgern degradieren lassen. Das ist nicht nur auf den Mist der Jobcenter gewachsen. Das sind Ihre Gesetze, die die SPD verbrochen hat und die Sie verschärft haben, statt aufzuheben. 

Sie wollen wissen, wie das wahre Leben ist? 

Ich denke, Sie sollten sich mal mehrere Monate vom Hartz-IV-Satz ernähren müssen. Lassen Sie in dieser Zeit Ihren Kühlschrank und/oder Ihre Waschmaschine kaputt gehen. Sie sollten gezwungen sein, sich bei den TAFELN anzuschmieren, um untertänigst um ein paar Lebensmittel betteln zu können. Sie sollten auch Ihre Stromrechnung im Auge behalten müssen. Sie sollten sich für Ihren Versuch den Herbst aussuchen, weil Sie dann bei irgendwelchen wohltätigen Organisationen um Wintersachen buhlen müssten, weil Sie Ihren Kleiderschrank natürlich nicht benutzen dürften. In unserem Viertel genügt für diese Aktion beispielsweise schon der Rentenausweis, um bei der Caritas ganz billig Kleidung aus zweiter Hand einkaufen zu können. Das lässt tief blicken, wenn der Rentenausweis dazu schon reicht.

Und fragen Sie diese Menschen, ob sie meinen, dass es Deutschland so wundervoll gehe und die Wirtschaft verdammt brumme. 

Machen Sie nicht den Fehler, diese Menschen als minder qualifiziert abzutun!

Bei uns im Supermarkt sitzen Frauen mit Diplomen auf Stundenjobs mit minimaler Vergütung. Nach Gesprächen mit diesen Frauen, habe ich feststellen müssen, dass sie völlig demoralisiert sind. Sie sitzen dort, um irgendwie mit Geld für die Familie heranzuschaffen. Sie müssen sich dabei Rechtlosigkeit und Bevormundung gefallen lassen. Nicht nur bei Amazon stinkt das Arbeitsklima!

Apropos Amazon! Wieso wird das Unternehmen angeprangert, obwohl deutschlandweit die Unternehmen genauso gestrickt sind: totale Ausbeutung, minimaler Lohn, kaum Steuern ins Staatssäckel des Landes, wo sie ihre Profite maximieren, die Infrastruktur nutzen und die Arbeitskräfte. Sie kümmern sich nicht darum, weil Sie alles dazu getan haben, in ihrer jetzt schon längeren Herrschaft, dass es nur den Unternehmen gut geht und ausschließlich denen. Die geben keinen müden Heller ans Gemeinwohl ab und vergüten ihre Mitarbeiter, die ihnen ihre unermesslichen Profite erwirtschaften mit nen Appel und nen Ei. DAS ist das wahre Leben. Sie könnten das natürlich wissen, wenn Sie es denn wissen wollten.

Was interessiert Sie eigentlich an uns? Nichts! Mal ein bisschen PR, das sich gut verkauft. Irgendwelche warmen Sprechblasen. Sie sonnen sich darin, dass Ihre Sprechblasen von vielen dennoch abgekauft werden und sie immer wieder gewählt werden. Sie lachen sich hinterher den Bauch platt, weil das Volk so dumm ist. Immer wieder und immer wieder lässt es sich verarschen. Es fordert sogar direkt die Verarsche heraus. Nur - wird das immer so bleiben? Deshalb Ihr PR? Nur, wird das auf die Dauer reichen?

Okay, das ist Ihnen auch egal. Sie werden dann wohlversorgt in den Ruhestand gehen können. Sie werden nie hungern müssen. Leider!