Dienstag, 21. April 2015

Ein freudloses Leben

Sie leben am Rande des Hungers oder hungern. Ihre Kinder haben keine Perspektiven. Es gibt keine Jobs, keine soziale Verantwortung - nichts. Kleider- und Schuhesammlungen hier haben die lokalen Märkte dort geschädigt. Unser Abfall wird auf Schiffe geladen und bei ihnen wieder an Land ausgekippt. Dass, was wir vom Hähnchen nicht essen wollen, essen immer noch die Afrikaner. Ja, ich rede von Afrika. Dass damit der heimische Markt dort kaputt gemacht wird, interessiert keinen Europäer. Unsere Rosen, unsere Chrysanthemen, unsere Gerbera, die wir am Valentinstag verschenken, wachsen in Afrika und nehmen dort das Land weg, was zur Ernährung der dortigen Bevölkerung so wichtig wäre. Unsere Blumensträuße lassen Menschen verhungern. 

Europa beutet Afrika mit seinen Rohstoffen aus, interessiert sich aber Null für die ökologischen Folgen. Das verseuchte Wasser, der vergiftete Boden - wem interessiert's. Es sind ja nur Afrikaner, die dort leben. Europas Wirtschaft schreckt auch nicht davor zurück, die Menschen dort aus ihren angestammten Gebieten zu vertreiben, weil sie das Pech haben, dadurch den Konzernen bei der Profitjagd im Wege zu stehen.

Europa hat in Afrika Staaten unter dem Label "Menschenrechte" zerstört. Jetzt gibt es in diesen Staaten überhaupt keine Menschenrechte mehr. Banden terrorisierten die Menschen. 

Europa hat in Afrika sich mit Diktatoren verbündet. Hauptsache, der Euro/Dollar rollt. Menschenrechte spielten dabei nie eine Rolle. Nur, wenn der Diktator nicht mit Europa teilen wollte, wurde die Abwesenheit von Menschrechten auf die Tagesordnung gesetzt. Nur dann - ohne Rücksicht darauf, was geschieht.

Und nun stehen die Afrikaner vor unserer Tür. Das Mittelmeer ist inzwischen zu einem sehr großen Friedhof geworden. Sie kommen in der Regel in Italien an Land oder auch nicht. Europa lässt Italien allein mit der Menge der Menschen, die es dorthin geschafft haben. Italien hat selbst große soziale Probleme. Italien selbst hat eine hohe Arbeitslosigkeit. 

Viele dieser Menschen zieht es nach Deutschland. Deutschland ist reich. In Deutschland fließt Milch und Honig und jedermann fährt Mercedes.* Das sind die Vorstellungen, die in den Köpfen wohnen. Sie wollen hier arbeiten. Nur, was? Die meisten haben keine Ausbildung.

Sie stoßen auf eine Bevölkerung, die nichts mit dem reichen Deutschland zu tun hat. Deren Wohnungen in Händen irgendwelcher Finanzinvestoren sind, die einzig und allein nur die Mieten anheben können, um große Profite zu generieren. 

Sie stoßen auf eine Mehrheitsbevölkerung, die im Niedriglohnsektor arbeitet, obwohl sie meistens eine gute Ausbildung hat. Sie stoßen auf eine Bevölkerung, die vielfach von Hartz IV am Rande des Existenzminimus leben muss. Sie Stoßen auf eine Bevölkerung, die mit verschiedenen kleinen Jobs sich über Wasser hält.

Sie stoßen auf eine Bevölkerung, deren Städte Pleite sind, die Schwimmbäder, Bibliotheken schließen mussten und die die Infrastruktur hat verkommen lassen, mangels Geld.

Sie stoßen auf eine Bevölkerung, deren Kinder auch kaum eine Perspektive vor sich sehen. Auf eine Bevölkerung, deren Kinder sich kaum an einem Spielzeug erfreuen kann.

Was geschieht dann wohl? Wir erleben es in unserem Land vielfach. Flüchtlingsheime brennen, Flüchtlinge werden tätlich angegriffen ...

Ja, es ist einfach nach Humanität zu schreien. Es ist einfach, zu sagen, dass wir doch ein reiches Land wären und genügend Geld für Flüchtlinge hätten. 

Nein, wir sind in der Mehrheit der Bevölkerung kein reiches Land. Wir müssen mit dem Spardiktat unserer Regierung leben, die kaum Investitionen zulässt, weder in unsere Straßen, noch in unsere Schulen noch in sonst irgend etwas.

Die Menschen, die in den Städten leben, haben Angst vor den Zuzug der Flüchtlinge. Sie haben Angst, dass sie vielleicht nun noch mit diesen Menschen um die wenigen Arbeitsplätze kämpfen müssen. Sie haben Angst, dass die das Geld erhalten, was ihnen dann fehlt. 

Diese Ängste sind nicht von der Hand zu weisen. Die Konzerne, die Reichen halten sich mit Steuervermeidung schön aus der Finanzierung unseres Lebens heraus. Sie streichen extra noch Gelder ein, damit sie ein paar unterbezahlte Arbeitsplätze schaffen, die dann durch den Staat noch einmal subventioniert werden. BMW erhält in Leipzig z.B. jährlich einen mehrstelligen Millionenbetrag, dass er in Leipzig produziert, obwohl BMW hohe Gewinne einfährt.

Da die Kommunen unterfinanziert sind, fehlt das Geld, was man für Flüchtlinge ausgeben muss, der eigenen Bevölkerung. Das schafft Hass auf die Fremden. Auf dieser Grundlage konnte Pegida entstehen und sich internationalisieren. Überall in Europa geht es Menschen so wie uns oder noch schlechter. 

Es ist lieb und nett, auf alle Flüchtlinge zugehen zu wollen, weil Europa so reich sei. Wir können aber nicht das Leid aller Menschen der Welt auf unseren Schultern tragen. Zumal fast nur die Schultern der kleinen Leute damit belastet werden, weil die es sind, die ihre Steuern nicht legal vermindern lassen können. Es sind die Steuergroschen der kleinen Leute, die man dafür benutzt.

Unsere Bevölkerung ist es, die mit ihren Steuergroschen die Banken vor der Pleite bewahrt haben und die mit den Folgen der Spielcasinos und der unersättlichen Profitgier von Konzernen leben müssen, zusätzlich müssen sie die Folgen dieser asozialen Politik, die die moderne Völkerwanderung auslöste, noch steuerlich schultern

Die Afrikaner kommen nicht aus Jux und Tollerei hier her. Und was nützt es, Schlepperbanden zu bekämpfen, wenn man nicht den Grund bekämpft, der diese Schlepperbanden erst ermöglichte und das Geschäftsmodell: Menschenschleußer zum Erfolgsmodell gemacht hat.

Die europäischen Verursacher dieser Menschenflucht zu uns, müssen endlich zur Kasse gebeten werden. Afrika muss endlich nicht nur Ausbeutungsobjekt von irgendetwas sein, sondern ein eigenständiger Kontinent, der sich selbst ernähren kann. Wir brauchen nicht das ganze Jahr über Rosen. Warum auch. Entwicklungsprojekte sind keine Entwicklungsprojekte, dessen Produkte UNS zu Gute kommen. Und es ist auch nicht richtig, dass es von Seiten der Konzerne/Regierungen solche Projekte für gut befunden werden, weil dort Jobs entstehen und es Menschen gibt, die bezahlt werden und sich vielleicht dadurch einen kleinen Wohlstand leisten können. Entstehung von Jobs, das einzige "Qualitäts"merkmal, was immer zieht und immer Subventionen nach sich zieht.

Individueller Wohlstand ist kein Wohlstand an sich.

Es gibt immer auch eine schlechte Seite und die überwiegt. Blumenfarmen nehmen den Bauern das Land weg. Es werden keine Nahrungsmittel mehr dort produziert. Die wenigen Menschen, die in den Blumenfarmen ein Auskommen finden, bezahlen das damit, dass sie am Tropf von Konzernen hängen, statt sich von ihrem Land ernähren zu können und die Mittel (es muss nicht Geld sein) erhalten, etwas mehr als für ihren Eigenbedarf zu erwirtschaften. Sie bezahlen unser Rosenverlangen auch mit ihrer Gesundheit durch Pflanzengift. Keinem europäischen Konzern interessiert die Gesundheit seiner Profiterwirtschafter wirklich. Es gibt zu viele davon. Jeder kann ersetzt werden. Und es sind nicht nur Blumen, sondern auch Palmölplantagen und vieles andere mehr, was für unseren Vorteil in südlichen Ländern unter erbärmlichen Zuständen erarbeitet wird.

Nun wundere sich keiner, warum die Menschen vor Europa stehen und hier eingelassen werden wollen.

Aber, nur Idioten lassen diese Angst an den Menschen aus, die vor unserer Tür stehen. Wirklich nur Idioten, die nicht nachdenken wollen bzw. von den Staatmedien nachdenken lassen. In der Mehrzahl kommen keine Sozialbetrüger zu uns, sondern verzweifelte Menschen, die essen wollen und ein klein bisschen mehr. 

In Jordanien sagte uns ein Touristen-Jeep-Fahrer im Wadi Rum, dass er keine Zukunft sähe in Jordanien und nach Deutschland wolle, damit er hier arbeiten könne und sich eine Zukunft erschaffen könne. Er hatte keine Vorstellung davon, was er denn arbeiten könne und er wusste auch nichts von den Verhältnissen in Deutschland. Er lebte eben seinen Traum, wie viele andere auch, weit weg von der Wirklichkeit.

Die wahren Verbrecher sitzen in den europäischen Regierungen und in den Konzernzentralen, die die Völkerwanderung zu verantworten haben. Sie missbrauchen Pegida, um die Menschen vor der Feste Europa kriminalisieren zu können und Pegida lässt sich mit Freude missbrauchen und viele Menschen auch, die mit Pegiada durch die Straßen laufen.

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PS: *Mercedes ist das Kultobjekt in Entwicklungsländern schlechthin. Überall in den armen Ländern ist dieses Auto das Wunschobjekt, wie ich auf meinen Reisen bisher erfahren musste. Und keiner dieser Menschen hat verstanden, warum WIR keines haben, obwohl wir doch so reich sein müssten.